Was ich von meiner Namenspatronin lernte...

Lisa Huber leitet seit einem Jahr das Quo vadis?, das Begegnungszentrum der Ordensgemeinschaften Österreichs. Die junge Südtirolerin hat Religionspädagogik und Theologie studiert und engagiert sich in der Gemeinde St. Elisabeth in Wien. Hier erzählt sie von der Beziehung zu „ihrer“ Namenspatronin. 

WhatsApp Image 2020 11 08 at 17.08.41Als Kind hatte ich diese Karte bekommen: Sie beschreibt das Leben und Wirken der heiligen Elisabeth. Man sieht der Karte an, dass sie oft in die Hand genommen wurde. Jetzt ist sie etwas in die Jahre gekommen. Die Geschichte meiner Namenspatronin hat mich von klein auf angesprochen: eine Prinzessin, die sie nicht sein wollte; eine Helferin, die sehr konkret war und eine Heilige, deren Rosenwunder mich berührte.

Die ungarische Prinzessin Elisabeth kam in jungen Jahren nach Thüringen. Als ihr Mann, den sie liebt und mit dem sie drei Kinder hatte, gestorben war, wurde das Leben auf der Burg für sie schwierig: Sie würde den Armen und Kranken zu viel helfen, das koste zu viel. Einmal habe sie wieder einen großen Korb voll Brot aus der Burg gebracht, um sie den Armen zu bringen. Wie ihr Schwager sie davoneilen sah, hielt er sie auf. Er deckte das Tuch vom Korb ab und anstelle des Brotes war er voller Rosen: so erzählt es eine Legende. Elisabeth musste dann doch die Burg verlassen, doch mit der Entschädigung konnte sie in Marburg ein Spital für Arme und Kranke gründen. Sie starb mit 24 Jahren 1231 in Deutschland. Sie gilt als Patronin der Armen und der Caritas.

Wie ich von Südtirol nach Wien gezogen bin, war es Zufall, dass ich wohnhaft in der Gemeinde St. Elisabeth geworden bin und dort Platz gefunden habe. Dass ich mich ausgerechnet im Caritas-Team engagiere, klingt jetzt konstruiert: Mir macht es Freude, ganz konkret zu helfen. Da begleite ich beispielsweise einen älteren Herrn zum Gottesdienst, weil er seinen Rollator nicht alleine die Treppen seines Wohnhauses runter tragen kann. Oder da gilt es Ostergrußkarten an Alleinstehende zu schreiben. Oder Lebensmittel zu sammeln für die Caritas-Sprechstunde. Oder Spenden zu akquirieren für Notleidende in unserem Bezirk. Hilfe muss konkret sein, das hab ich von der heiligen Elisabeth gelernt.

Auf dieser Heiligenkarte steht: „Die heilige Elisabeth war eine von Gott reich begnadete Frau: temperamentvoll, leidenschaftlich und tief religiös.“ Dieser Satz hat mich schon als Kind angesprochen. Für mich bedeutet es Christin zu sein, mich für andere einzusetzen. Und dafür braucht es Leidenschaft, auch Mit-Leidenschaft. Ich muss mich berühren lassen, von der Not anderer, mitleiden und mich dann um Veränderung der Situation bemühen. Das kann ich nicht losgelöst von den Armen tun, das kann nur konkret mit jeder einzelnen hilfesuchenden Person getan werden. Hilfe ist individuell: auch das habe ich von der heiligen Elisabeth gelernt.

Am 19.November feiert die Kirche den Gedenktag an die Heilige Elisabeth. Damit enden in diesem Jahr auch die Feierlichkeiten rund um das 375. Jubiläum der Elisabethinen in Österreich. „Schau hin und handle!“, unter diesem Leitspruch der heiligen Elisabeth sind die Elisabethinen schon immer gestaltend im Gesundheits- und Sozialwesen tätig. In ihren Tätigkeitsbereichen stellen sie den Menschen in all seinen Dimensionen in den Mittelpunkt: körperlich, geistig und seelisch. Auch das hab ich von der Heiligen gelernt: Der Mensch kann nur als Ganzer gesehen werden. Geistige Nahrung und soziale Nähe sind genauso wichtig wie Nahrung und Heilung. Ich wünsche Ihnen allen und vor allen allen „Lieseln“ einen schönen Elisabeth-Tag!

Lisa Huber