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Ausstellung vom Dunkel zum Licht
Bilder in Holz, Glas und Leinen von Kurt Zisler

Ausstellung vom Dunkel zum Licht<br />
Bilder in Holz, Glas und Leinen von Kurt Zisler

Kurt Zisler

 

Geboren 1945 in Bärnbach. Studium der   Theologie und Germanistik in Graz und Paris.

Als Maler Autodidakt. Wichtige Impulse durch Professor Wladimir Zagorodnikow (gest. 1984). Durch ihn Einführung in die Tradition der Ikonenmalerei der Moldauklöster und der Verbindung dieser alten christlichen Tradition mit den Möglichkeiten moderner Malerei. Zusammen mit Prof. Zagorodnikow 1982 Gestaltung der Altarwand der Pädagogischen Akademie in Eggenberg.

Als Professor und Direktor in der Ausbildung der Religionslehrerinnen und –lehrer bis 2008 tätig an der Religionspädagogischen Akademie der Diözese Graz Seckau.

Autor zahlreicher Bücher für den Religionsunterricht. Besonderer Schwerpunkt: Die Bedeutung der Bilder und des bildlichen Wissens für Erziehung, Bildung und Religion.

 

 

Ausstellungen

Bisher über 70 Personalen in Österreich und im Ausland, in Frankreich, Deutschland, Polen, Tschechien; zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen.

 

 

Werke im öffentlichen Raum

  • Barbarakirche in Bärnbach (Zyklus zum „Vater unser“)
  • 1987 Ausgestaltung der Kapelle im Haus der Frohbotschaft in Batschuns/Vorarlberg (Wandmalereien zum „Magnificat“)
  • 1996 Gestaltung der Altarwand der Kirche „Zu den Heiligen Schutzengeln“ in Graz - Eggenberg: Jesus Christus umgeben von Engeln.
  • 1998 Gestaltung der Kapelle in Ungerdorf bei Gleisdorf: Emmaus.
  • 2001 Gestaltung der Fenster der Kapelle der Salvatorianer in Graz.
  • 2002 Gestaltung der „Glockerkapelle“ in Limberg/ Schwanberg
  • 2003 Glasfenster „Auferstehung“ in der Kapelle der Barmherzigen Brüder in Kainbach bei Graz
  • 2006 Gestaltung eines Fastentuchs für die Schutzengelkirche/ Graz
  • 2008 Fenster im Karner in Geistthal und in der Emmauskapelle in Ungerdorf
  • 2009 7 Glastafeln zu den Sakramenten in Altenmarkt bei Fürstenfeld
  • Glastafel für den Andachtsraum im Pflegewohnhaus in Fernitz bei Graz
  • Mitgestaltung des Markuswegs im Haus der Stille
  • 2010 Fenster in der Aufbahrungshalle in Waldbach
  • 2011 Glasbild für den Andachtsraum im Klinikum Bad Gleichenberg/ Stmk
  • 2012 Glasstele für den Andachtsraum im “Quo vadis“ in Wien/ Stephansplatz
  • 2013 Glasstele „Licht, das uns erschien“ im Priesterseminar in Graz

 

Vom Dunkel zum LichtImpulse

Ausstellung Kurt Zisler

„Quo vadis“, Wien vom 7.3. bis 25.4.2017

 

Die Arbeiten, die in der Ausstellung hier auf Holz und Leinen gezeigt werden, haben wesentliche Impulse von meiner Begegnung mit Ikonen bekommen. Es ist dies zum einen die  Begegnung mit originalen Ikonen, anderseits sind es jene Impulse, die ich durch die Arbeiten von Wladimir Zagorodnikow erhalten habe.

 

Wladimir Zagorodnikow, 1896 in Kursk in Russland geboren, hat bei den Moldauklöstern Ikonenmalerei studiert und das Diplom des Syndikats der Schönen Künste in Bukarest erworben und später in Paris in den Akademien Julian und La Grande Chaumière Malerei studiert.

In seinem Arbeiten bemühte er sich im Weiteren um die Möglichkeit, die altehrwürdige Technik der Ikonen in unsere Zeit zu übersetzen.

Sein Weg war es, die Technik beizubehalten und die Ikonographie neu zu entwickeln.

 

Wladimir Zagorodnikow kam im Jahre 1942 nach Graz, wo seine künstlerischen Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen gezeigt wurden.

Durch einen Glücksfall wurde ich sein Schüler und bin durch ihn in die Technik der Ikonenmalerei eingeführt worden und in sein Bemühen, östliches und westliches Denken miteinander zu verbinden.

 

Die Impulse, die ich in meinem künstlerischen Schaffen umzusetzen versuche, können möglicherweise auch für uns heute von Bedeutung sein.
1. Wertschätzung und Achtung der Erde.

Beim Gestalten einer Ikone wird auf den Untergrund, meist Holz, zuerst der Kreidegrund mehrschichtig aufgetragen. Er soll Unebenheiten ausgleichen und eine polierfähige Unterlage für die spätere Vergoldung bilden. Bis zu zehn Aufträge können für die Polimentvergoldung notwendig sein. Der Kreidegrund besteht aus einer Mischung von verschiedenen Kreidesorten, Tafelleim, Wasser und Spiritus.

Auf den Kreidegrund werden die Polimente in verschiedenen Schichten aufgetragen. Dabei handelt es sich um Tonerdesilikate, d.h. Lehm, der in verschiedenen Farbtönungen, Ocker, Rot, Grau, Blau oder Schwarz… in Leim angerührt aufgetragen und jedes Mal sorgfältig geglättet wird.

Die Kirchenväter deuteten diesen Vorgang symbolisch:

In der Ikone wird die Erde genommen, jene Erde, aus der wir Menschen der biblischen Tradition nach geschaffen wurden. Sie bilden den Grund, in den dann durch Gold und Farbe das Konzept Gottes eingeschrieben wird.

 

Viele der ausgestellten Werke sind allein mit diesen Polimenten gemalt.

 

Die Wertschätzung der Erde und des Vorhandenen bildet einen Gegenpol gegen Entwicklungen, die sich nur vordergründig wertschätzend geben aber in der Verengung auf das Schaffen materieller Werte letztendlich Erde missbrauchen und ausbeuten.

 


2. Licht von innen

 Die Arbeit dessen, der eine Ikone gestaltet, besteht darin, dass die Polimentschichten nach jedem Auftragen geglättet und poliert werden. Einzelne Schichten können auch so lange   abgerieben und auch abgewaschen werden, dass die darunterliegenden Schichten bis zum weißen Untergrund wieder durchzuleuchten beginnen. Pavel Florenskij, der orthodoxe Wissenschafter und Theologe, deutete dies und konnte formulieren: „Die Ikone wird auf Licht gemalt.“

„Das Licht leuchtet golden, wenn es der Ikonentradition entspricht, d.h. es ist Licht im eigentlichsten Sinn, reines Licht, nicht Farbe. Anders ausgedrückt: Alle Darstellungen entstehen in einem Meer goldener Gnade, umspült von Strömen göttlichen Lichts…Jegliche Farbe würde die Ikone der Erde annähern und ihre Vision schwächen. Und wenn die schöpferische Gnade Bedingung und Ursache aller Kreatur ist, so begreift man, dass auch auf der Ikone, wenn in abstrakter Form ihr Schema angegeben oder genauer gesagt: angedeutet ist,der Prozess der Verkörperung mit der Goldbeschichtung des Lichts  beginnt.“ [1]

 

Ikonentechnik so können wir sagen, nimmt unsere weltliche Wirklichkeit und bearbeitet sie sorgfältig und lange, bis sie transparent wird und das Licht durchzuscheinen beginnt.

 

Wahrscheinlich hat mich deshalb auch die Arbeit mit Glas so zu faszinieren begonnen. In der Ausstellung sind solche Werke in Glas in Antikglastechnik und in Fusingtechnik zu sehen.


3. Gold und Farbe

Das Gold möchte in den Ikonen das Geheimnis Gottes ausdrücken, das man nicht durchschauen kann, das aber gleichzeitig in unserer Welt aufleuchtet und sie mit Glanz erfüllt.

Eine ähnliche Funktion haben auch die Farben mit ihren typischen symbolischen Bedeutungen.

Mit Gold und Farbe wird das Konzept Gottes, wie es in der Tradition des Glaubens verkündet wird, in die Ikonen eingeschrieben.

 

4. Das Jenseitige einlassen

In der Geschichte der Ikonen gibt es die Überlieferung, dass die Ikone, die zuerst das Antlitz Christi darstellt, nicht von Menschenhand geschaffen ist. In unterschiedlichen Traditionen leiten sie die Herkunft entweder vom Schweißtuch der Veronika ab oder vom Mandylion des Abgar von Edessa.

Die Aufgabe des Ikonenmalers bestand darin, sich zum Werkzeug zu machen, in dem dieses Bild wieder in einer neuen Ikone sichtbar wird. Formelbücher gaben genaue Richtlinien vor. Damit das Urbild möglichst klar auch in Erscheinung trete, haben sich die Malenden durch Fasten und Gebet auf das Malen vorbereitet. In manchen Traditionen war es auch üblich, dass die Malenden nur einen Teil einer Ikone malten, um Subjektivität möglichst auszuschalten. 

Durch ein flächiges Auftragen der Farbschichten können Subjektives und Individuelles ausgeschaltet werden, kann sich der Malende persönlich zurücknehmen und gleichsam zum ausführen Medium werden, das von innen her gelenkt wird.  


5. Die umgekehrte Perspektive - die Perspektive Gottes

Gott schaut uns in der Ikone an. Das wird  in den Ikonen des Antlitzes Jesus besonders deutlich. Es gilt aber grundsätzlich für alle Ikonen.

Die Ikonenmalerei zeigt die Welt vom Konzept Gottes her.

Gegenstände zeigen auf den Ikonen eine „umgekehrte Perspektive“.

Wenn die Ikonen das Konzept von Gott her entwerfen, so macht sie uns darauf aufmerksam, dass wir, die wir die Ikone anschauen, angesehen werden.

 

Das wird auch in dem Verhalten sichtbar, wie Gläubige mit ihren Ikonen umgingen. So berichtete Wladimir Zagorodnikow, dass die Hausbewohner, wenn sie ein ausgelassenes Fest feierten, die Hausikonen verhängten. Sie sollten nicht sehen, was im Haus geschieht.

 

Für uns als Betrachter, die seit der Zeit des  Humanismus die Welt perspektivisch vom eigenen Standpunkt aus sehen, ist das zuerst auffällig und verwirrend.

Die menschheitsgeschichtliche Entwicklung hat den Aspekt des aktiven Sehens und Gestaltens so sehr in den Vordergrund gerückt, dass wir auf den Blick, mit dem wir gesehen werden und der uns damit am Leben hält, leicht vergessen.

 

Wir können von den Ikonen den Impuls übernehmen, dass wir zuerst immer „Angesehene“ sind, und dass uns das auch „Ansehen“ gibt. Das gilt für uns in der Entwicklungsgeschichte als Kinder, bleibt aber zeitlebens gültig.


6. Die Ikone – Bild im Bild

Ikonen haben meist einen Rand, der  vielfach als Erhöhung des Holzes an den Rändern sichtbar wird.

Unterschiedlich wird diese Tatsache gedeutet:

„ Zu den Aufgaben der Zimmerleute gehörte es auch noch, auf der Vorderseite der Tafel eine Vertiefung auszuheben, die die eigentliche Malfläche bildet. Die russische Bezeichnung für diese Vertiefung ist kov─Źég, was „Arche“ oder „Schrein“ bedeutet.  Damit ist die Funktion klar. Der durch die Vertiefung entstandene Rand  ist nicht als ein zusätzlicher Bilderrahmen in unserem Sinn zu verstehen, sondern als die Andeutung eines kastenartigen Reliquienschreins…Der Rand zeigt also an, dass die Ikone als Reliquie verstanden wird.“[2]

„Viele Ikonen haben an allen Seiten einen um mehrere Zentimeter erhöhten Rand. ..Diese Art der Bearbeitung der hölzernen Malfläche hat mehrere Vorteile: Die Bildfläche ist geschützt…Manchmal waren auch ästhetische Gründe ausschlaggebend. Ikonen mit dem erhöhten Rand gefielen den Menschen besser. Schließlich lässt sich nach Beendigung der Bemalung die Schutzschicht, die Olifa besser auftragen, ohne dass sie über den Bildrand abläuft.“[3]

Über diese praktischen Argumente hinaus, ist der Rand wohl vor allem theologisch und erkenntnistheoretisch zu begründen. Der Betrachter soll daran erinnert werden, dass das Dargestellte nicht auf der ersten Ebene zu verstehen ist, sondern erst auf einer zweiten Ebene; nicht das, was dargestellt ist, und mit den Augen zu sehen ist, sondern das, worauf das Dargestellte hinweist und worauf es uns öffnen möchte wie ein Fenster.  


7. Begegnung als Grundthema der Ikonen

Jesus hat den Menschen in seiner Begegnung Heil gebracht. Diese Erfahrung der Menschen, die Jesus tatsächlich begegnet waren, führte zu dem Wunsch, Jesus und seinem heilenden Wirken auch dann begegnen zu können, nachdem er von der Erde zu seinem Vater heimgekehrt war. Das führte zur Entwicklung des Christusbildes.

Wenn Jesus auf den Menschen schaut, dann wird das Heil wirksam. Deshalb zeigen die frühen Ikonen das Antlitz Jesu, „das nicht von Menschen Hand gemachte“, später dann die Szenen aus dem Leben Jesu und der Heiligen.

Die Ikonen zeigen das Geschenk der Begegnung, das Gott den Menschen anbietet. Und das ist ein Angebot auch an den Menschen und Betrachter von heute.

Dieses Thema setzt sich fort in den Begegnungen miteinander, wenn wir die Bilder anschauen.

Deshalb gilt auch für das Betrachten der Ikone, was Simone Weil gesagt hat: „Es gibt nur eine Methode, um Bilder zu verstehen - nicht versuchen, sie zu interpretieren, sondern sie so lange anschauen, bis das Licht hervorbricht“.[4]


8. Ikonographie

Die Ikone als Kultbild der orthodoxen Kirche wurde von dieser auch „verwaltet“. Ikonen zu malen wurde der kirchlichen Hierarchie unterstellt.

So wurde genau festgeschrieben, wer Ikonen malen darf und nach welchen technischen und ikonographischen Richtlinien. Dies wurde z.B. im „Malerbüchlein des Berges Athos“ festgehalten.

Der Fortgang der Zeitgeschichte hat neue weltanschauliche Positionen  mit sich gebracht, in denen sich das Verständnis von Religion und von Kunst wesentlich verändert hat.

So hat sich Kunst aus den kirchlichen Richtlinien emanzipiert.

Das Selbstverständnis des Künstlers hat sich dabei wesentlich verändert.

Er sollte nicht mehr bloß das darstellen, was schon gefunden war, sondern, wie es Paul Klee formulierte: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“[5]

 

Diese Suche bedeutet auch ein Überschreiten des Realen in die hinter dem Vordergründigen liegenden Strukturen der Wirklichkeit und in die Abstraktion hinein. Es ist den geänderten Gesichtsfeldern vergleichbar, die sich durch das  Betrachten der Wirklichkeit mit freiem Auge, einem Mikroskop oder einem Fernrohr eröffnen.

Sind die Suchbewegungen der Künstler ebenso gültig wie die, die den kirchlich Beauftragten anvertraut waren, um den Spuren des Göttlichen heute eine neue Bahn oder ein neues Fenster zu eröffnen?

 

Kurt Zisler



[1] Pavel Florenskij, Die Ikonostase. Urbild und Grenzerlebnis im revolutionären Russland, Stuttgart 1988,  151.

[2] Helmut Fischer, Die Ikone. Ursprung – Sinn – Gestalt, Freiburg 1989, S. 140

[3] Aloys Butzkamm, Faszination Ikonen, Paderborn 2006, S. 24.

[4] Cahiers II, München 1994, S. 285

[5] Paul Klee, Schöpferische Konfessionen (1920), in: Paul Klee, Kunst-Lehre (hg. von Günther Regel), Leipzig 1987, 60.

 

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