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Vernissage am 16. April 2015, 19.00 Uhr

Um Anmeldung wird gebeten
office@quovadis.or.at

ohne Abschied

»ohne Abschied« zeigt Arbeit des Fotografen Nikolai Krinner, der seine Werke zwischen 17. April und 30. Juni 2015 im »Quo vadis?« ausstellt.

In dem Dorf Romanjonki leben 14 Katzen, zwei Hunde, drei Welpen, die Ziege Anjuka und ein Mensch. Von der Zeit verbogen, von der Arbeit geschunden: Lidija Zaitseva. Nein, einsam sei sie nicht, sagt sie. Lidija spricht mit der Ziege, mit den hüfthohen Gräsern, die ihr jeden Schritt so schwer machen, mit dem Wind. Nur der Tatendrang ist nach 78 Lebensjahren etwas gedämpft. „Ich habe keine Kraft mehr, nur noch Gedanken.“ Ihr Haus ist schon in Sichtweite. Ein Zwergenhaus mit tiefen Decken, in dem alles aus den Fugen geraten ist. Es ist das letzte Haus in Romanjonki  - in einem sterbenden Dorf.  

 

Romanjonki war einmal: sowjetischer Durchschnitt, 40 Häuser, ein Lebensmittelladen, eine Kolchose für die Arbeit. Und jetzt? Der Schweinestall steht leer, die Arbeiter suchten das Weite, bevor sie vom Wirbel des Vergessens gepackt werden konnten. Von den Häusern sind nur noch Holzstapel übrig, längst von Brennnesseln überwuchert. Es steht dort noch ein Dutzend Apfelbäume, die schwer an ihren Früchten tragen. Viel mehr Äpfel, als Lidija Zaitseva allein je ernten kann.  

Ein Dorf, verlassen von Gott und der Welt. So wie viele Dörfer in Russland, wo jeden Tag drei Orte von der Landkarte verschwinden. Unwiederbringlich. Arbeit, Liebe und eine Zukunft suchen die Russen in Moskau oder Sankt Petersburg. Zurück bleiben die Alten. Mit ihnen sterben Dörfer, die einst das Zuhause vieler Generationen waren.

 

Vor einigen Jahren besuchte Lidija Zaitseva ihre Tochter in Sankt Petersburg, das sie immer noch Leningrad nennt. Nach zwei Tagen wurde sie krank und flüchtete zurück in ihr Dorf, das längst kein Dorf mehr ist. Im Sommer ist die Luft schwer vom Summen der Insekten. In ihrer Jutejacke sitzt Lidija Zaitseva auf einem Hocker, ihre vor Dreck starren Hände fahren durch das Fell eines neu geborenen Welpen. Durch die milchig trüben Fenster blickt sie nach draußen, zum Heuhaufen. Das Stroh müsste vor dem Herbst ins Trockene gebracht werden. Lidija Zaitseva bleibt sitzen. Keine Kraft mehr, nur noch Gedanken. Ihre Welt wird jeden Tag ein wenig kleiner. Das Dorf verschwindet.

ohne Abschied | Genesis

ohne Abschied | Genesis

Nähere Informationen als PDF

ohne_abschied_genesis_flyer.pdf

Nikolai Krinner

Nikolai Krinner

Nikolai Krinner, Fotograf, 1984 in München geboren, lebte und arbeitete ab 2010 in Moskau, bereiste die russischen Dörfer, kämpfte sich mit Kamera und Machete durch Sanddünen, Brennnessel und Bärenklau, selbst Hornissen nahmen Reißaus.

www.nikolaikrinner.com

Diana Laarz

Diana Laarz, Journalistin, 1982 in Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern geboren, lebte und arbeitete von 2009 bis 2013 in Moskau, bereiste die russischen Dörfer, fuhr auf Flößen und gewann nur knapp das rettende Ufer, ließ sich von Hunden beißen und von Hornissen stechen

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