Osteraugen

Österliche Gedanken von Abt em. Christian Haidinger:
Wir alle kennen verschiedene Osterbräuche, wie sie dort und da verbreitet sind und auch heute noch gepflegt werden. Schon vor längerer Zeit habe ich von einem Osterbrauch gehört, der mich sehr nachdenklich machte. In Oberitalien, in der Gegend von Piemont, soll es ein Brauchtum geben, das man „Osteraugen“ nennt:

Wenn am Morgen des Ostersonntag zum ersten Mal wieder die Glocken läuten, dann laufen die Dorfbewohner, Kinder, Erwachsene und auch ältere Leute zum Dorfbrunnen und waschen sich die Augen mit dem kühlen, klaren Brunnenwasser.
Manche wissen wohl gar nicht mehr, warum sie zum Brunnen laufen (wie das bei eingefahrenen Bräuchen ja oft der Fall ist), warum sie sich an diesem Morgen die Augen auf so eigentümlich Weise waschen. Sie rennen einfach mit – und tun, was ihnen für den Ostermorgen überliefert ist.

Vom Ursprung her aber hat dieses Brauchtum eine tiefe Bedeutung, es war eine Art Gebet, in dem die Menschen um neue Augen, eben um „Osteraugen“ baten,
Sie wollten besser und tiefer „sehen“, besser ein-sehen können, was durch die Auferstehung Jesu denn nun anders geworden ist in ihrem Leben. Sie wussten natürlich, dass der Auferstandene mit den Augen des Leibes nicht zu sehen ist.
Auch Paulus konnte vor Damaskus erst „sehen“, nachdem er blind geworden war! Da ist ihm eine tiefere „Ein-sicht“, die Erfahrung des Auferstandenen geschenkt worden ist!

Ähnlich ist es auch den beiden Emmausjüngern ergangen:
Sie waren bei den Aposteln und Jüngern, als die Frauen ihnen ganz aufgeregt erzählten, dass ihr Herr und Meister auferstanden sei, dass er ihnen begegnet ist und ihnen aufgetragen hat, ihnen zu sagen, dass er lebt!
Als ob sie es gar nicht gehört hätten … Sie ergreifen die Flucht! Nur weg von diesem Ort, am besten nach  Hause und sich wieder im Alltag verlieren … Und vergessen, was sie mit Jesus  erlebt und worauf sie gehofft hatten! Sie machen sich auf den Weg … und lasen ihrer Trauer und Enttäuschung freien Lauf!
Aber da gesellt sich einer zu ihnen. Sie nehmen ihn zunächst gar nicht richtig wahr, - bis er sich selbst ins Gespräch bringt, nach ihrer Traurigkeit fragt … und versucht, ihnen die Geschehnisse aus der Heiligen Schrift zu erläutern … „Doch sie waren mit Blindheit geschlagen! – so vermerkt der Evangelist! Erst als er mit ihnen das Brot brach, da erkannten sie ihn! Erst diese Begegnung hat ihnen die Augen geöffnet, hat ihnen OSTERAUGEN geschenkt!

Vom verstorbenen Bischof Klaus Hemmerle (Aachen) sind mir erhellende Gedanken – österliche Wünsche – dazu in Erinnerung gekommen:

Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Tod bis zum Leben sehen,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Heilung.

Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im ICH bis zum DU
zu sehen vermögen.

Und dazu wünsche ich uns
alle österliche Kraft und Frieden,
Licht, Hoffnung und Glauben,
dass das Leben stärker ist als der Tod.

Klaus Hemmerle (1929 – 1994)
Bischof von Aachen

 

Emmaus Fensterbild 2021

In der Osterwoche werden Blumen aus dem Kreuz in unserem Schaufenster sprießen, auf das wir in den vergangenen Wochen unser Leid und Mitleid geladen haben. In der österlichen Freude über das in Christus geschenkte Leben geben wir Ihnen bei Ihrem Besuch im Quo vadis? ein Gebet an Gott den Gärtner mit – und ein paar Samen zum Zeichen der Kraft Seiner Neuschöpfung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch ab Mittwoch, dem 7. April! Das Quo vadis?- Team wünscht Ihnen ein gesegnetes Fest der Auferstehung!