Berufungsg'schichten: "Ob er wirklich Gott sucht"

Im Quo vadis? interessieren wir uns für die Berufung jedes Menschen: Wie gelingt mein Leben und was hat das mit Gott zu tun? Auf dieser Suche lassen wir uns von Ordensleuten erzählen, wie sie ihre Lebensform gefunden haben: Berufungsg'schichten. In Kooperation mit dem CanisiuswerkFrater Philippus Mayr OSB (*1984) kommt aus Niederösterreich. Bevor er 2016 in das Benediktinerstift Göttweig kam, arbeitete er als Softwareentwickler. Über die Ortspfarre findet er zurück zum Glaubensleben. Schliesslich löst er sich aus Job und Partnerschaft, um im klösterlichen Alltag Gott zu suchen.

Vor 10 Jahren wäre mir im Traum nicht eingefallen, dass ich diese Zeilen heute hier in Göttweig schreibe. Ich hatte mit dem Thema Kirche eigentlich so ziemlich abgeschlossen und ich denke, ich bin damals nur wegen meiner Oma nicht ausgetreten. Aber gehen wir noch ein bisschen weiter zurück…

Ein bisschen aus meiner Vergangenheit

Zeitl. Profess WSAufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt im niederösterreichischen Mostviertel in einem „durchschnittlich katholischen“ Elternhaus. Ich bin am Sonntag zwar gern mit meiner Mutter in die Kirche gegangen, aber nicht wirklich regelmäßig. Und ich hatte auch kein besonderes Verlangen danach. Erstkommunion und Firmung waren eine Selbstverständlichkeit, die obligatorische Schulbeichte ließ ich halt auch brav über mich ergehen.
Später in der HTL für EDV und Organisation ist mein Kirchenbesuch zwar noch dünner geworden, aber dank meines dortigen Religionslehrers habe ich Gott nicht komplett aus den Augen verloren und dann als einziger meiner Klasse in Religion maturiert. Für eine kurze Zeit wollte ich danach sogar Theologie studieren.

Erwachsen werden – Erwachsen sein

Es kam aber anders und ich bekam einen tollen Job in der IT-Branche. Wenig später lernte ich dann auch meinen damaligen Freund kennen, mit dem ich dann im Jahr 2010 eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen bin. Wir haben gemeinsam ein Haus renoviert, ich war erfolgreich im Job und eigentlich hatte ich damals alles erreicht, was ich mir so vorgestellt hatte.
Konventgarten WS querUnd dann zog es mich am Gründonnerstag vor 8 Jahren in die Kirche in meinem damaligen Wohnort. Obwohl die Liturgie nicht sonderlich ergreifend war, war dies der Startschuss zu einer neuen Gottesbeziehung und ich habe mich dann gerne in der Pfarre und dem dortigen Kirchenchor arrangiert.
In dieser Zeit begannen mein Partner und ich allerdings auch zu bemerken, dass wir uns langsam voneinander weg entwickelten, aber wir wussten beide nicht, wie wir damit umgehen sollten. Auch an meinem Beruf empfand ich immer weniger Freude. Das Problem war dabei weniger die Tätigkeit an sich, sondern dass es immer nur ums Geld und Wirtschaftlichkeit ging.
Einige Zeit später habe ich dann im Fernsehen einen Bericht über „Schweige- und Einzelexerzitien“ im Stift Göttweig gesehen und mich am Tag danach dafür angemeldet. Diese Woche war außerordentlich schön und ich bin gestärkt nach Hause zurückgefahren. Im darauffolgenden Jahr habe ich wieder Exerzitien in Göttweig gemacht und an einem Abend ist es mir dann „eingefahren“: Ich möchte hierbleiben. Und so löste ich mich im Guten aus meinem bisherigen Leben und fing mit einem neuen Kapitel an.

„Ora et labora et lege” – “Bete und arbeite und lies”

Göttweig Mitbrüder WS querEine der zentralsten Fragen, wenn jemand in ein Benediktinerkloster eintreten möchte ist, ob er „wirklich Gott sucht“. Mir wurde damals erst wirklich bewusst, wie sehr ich Gott suche. Und der Weg dorthin führt eben über Gebet, Arbeit und Lesen. Das gemeinsame Chorgebet hat mich dabei besonders angezogen. Auch die Arbeit macht wieder Spaß. Neben anderen Tätigkeiten bin ich jetzt auch für die IT-Technik des Stiftes und seiner Betriebe mitverantwortlich. Aber ich mache das nicht für Geld, oder damit die Kennzahlen stimmen, sondern ich unterstütze unsere Mitarbeiter und helfe den Mitbrüdern bei ihren Aufgaben und Problemen. Das Lesen besteht einerseits in der täglichen Beschäftigung mit der heiligen Schrift, aber im weiteren Sinn überhaupt mit Weiterbildung und so konnte ich den Theologischen Kurs in Wien absolvieren und jetzt eine Ausbildung am Konservatorium für Kirchenmusik beginnen.

Du willst kein Priester werden? Warum bist du dann im Kloster?

GöttweigDiese Frage habe ich öfter zu hören bekommen, speziell von Klerikern. Es dürfte in diesen Kreisen eine noch stark verbreitete Meinung zu sein, als Priester käme man näher zu Gott als „nur“ als Laienbruder. Ich empfinde das jedoch nicht so und ich fühle mich nicht zum Priester berufen. Auch ein Theologiestudium, denke ich heute, wird mich Gott nicht wirklich näherbringen.
Gott ist für mich (wie beim Propheten Elija) nicht im Sturm, im Feuer oder im Erdbeben, sondern im sanften Säuseln des klösterlichen Lebens zu finden.
Das Leben in einer Gemeinschaft beinhaltet natürlich auch immer Sturm und Feuer, speziell das letzte Jahr mit der Corona-Pandemie hat viel abverlangt. Und trotzdem weiß ich, dass meine Mitbrüder, genau wie ich Gott suchen. Jeder mit seinen persönlichen Stärken und Schwächen und mit Gottes Hilfe.

Fotos: Konventgarten, Refektorium, Erstprofess von Frater Philippus, Stift Göttweig


Berufungsg'schichten von Ordensleuten in unterschiedlichen Gemeinschaften finden Sie hier:

Sebastian Ortner SJ
Regina Köhler CJ
Ewald Nathanael Donhoffer OPraem
Kleine Schwester Katharina Ruth
Bruder Moritz Windegger OFM
Katharina Leitner OSB
Michal Klučka SDB
Gertraud Harb
Helena Fürst