Ein internationaler Freiwilligendienst mit den Ordensgemeinschaften

Eine Zeit lang an einem anderen Ort zu leben und sich dort in ein von einer Ordensgemeinschaft betriebenen Projekt einbringen – das ermöglicht ausserordentlich, die internationalen Freiwilligendienste der Ordensgemeinschaften. Was kannst du in einem internationalen Freiwilligendienst erleben? Was sind die Potentiale, und wo liegen die Herausforderungen internationaler Freiwilligendienste? Und: Warum ist es besonders spannend, einen internationalen Freiwilligendienst mit einer Ordensgemeinschaft zu absolvieren? Wir haben bei Nadja, die 2019 einen Freiwilligendienst als Missionarin auf Zeit (MaZ) mit den Salvatorianern absolviert hat nachgefragt.

Freiwilligendienste sind so bunt wie die Ordenswelt

ausserordentlich nadjaEine Besonderheit bei internationalen Freiwilligendiensten mit Ordensgemeinschaften ist das Sendungsprinzip: Freiwillige entscheiden sich für den Dienst, nicht für einen bestimmten Ort. Die Arten, einen Freiwilligendienst zu absolvieren sind so bunt wie die Ordenswelt selbst. So ist es möglich, dass du in einer WG lebst, bei einer Gastfamilie oder bei einer Ordensgemeinschaft. Es ist möglich, dass du die Zeit in einem Dorf verbringst oder in einer großen Stadt. Dass du Spanisch sprichst oder Indonesisch oder Polnisch – oder eine andere Sprache. Vielleicht setzt du dich für arbeitende Kinder ein, unterstützt eine Schule, eine Einrichtung, die sich für geflüchtete Menschen einsetzt oder arbeitest in einem Hospiz mit.  In Absprache mit der Ansprechperson deines Freiwilligendienstes wird gemeinsam entschieden, welches Projekt für dich infrage kommt.

In Nadjas Fall hieß das etwa, dass sie sich dafür entschieden hat, mehrere Monate mit den Salvatorianern in Nordostindien zu verbringen, um dort in der örtlichen Schule mitzuarbeiten. Wenn sie heute – zwei Jahre später – über ihren Freiwilligendienst nachdenkt, erinnert sie sich an die wunderschöne nordindische Natur und die herzlichen Menschen in einer lebendigen Dorfgemeinschaft, meint Nadja. Doch der internationale Freiwilligendienst war nicht nur Zuckerschlecken. Sie berichtet etwa die hohe Luftfeuchtigkeit in Nordindien oder eine herausfordernde Eingewöhnungsphase. Und ein internationaler Freiwilligendienst konfrontiert nicht nur mit den Bedingungen eines fremden Landes.

Intensive Lernerfahrungen

ausserordentlich SchuleDenn: Die Projekte der Ordensgemeinschaften sind aus der Notwendigkeit entstanden, auf gesellschaftliche Missstände zu reagieren. Damit werden auch internationale Freiwillige, die einen Freiwilligendienst mit einer Ordensgemeinschaft absolvieren fast zwangsmäßig mit Ausbeutung konfrontiert. Doch nicht nur die Ausbeutung, auch die Stärke und der Einsatz von lokalen Initiativen und ihr Einsatz wird erfahrbar. Du lernst, was Glaube mit Gerechtigkeit zu tun hat: Ordensmitglieder sind Menschen, die ihr Leben Gott und dem Einsatz für ein gutes Leben für alle gewidmet haben – das ist ihre Mission: So zu leben, wie Jesus es getan hat, und es ihm nachzutun. Damit bewegen sich auch Freiwillige, die sich in den Projekten der Ordensgemeinschaften engagieren in diesem Feld. Das erfordert Demut und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und zur Lernenden zu werden. Es führt zu einer Konfrontation mit postkolonialen Machtverhältnissen und der eigenen Rolle als Europäer*in, die nur für wenige Monate vor Ort ist.

Das hat weitreichende Folgen für die Freiwilligen: So sagt auch Nadja heute, dass ihr internationaler Freiwilligendienst mit den Salvatorianern ihre Werte – wie sie selbst sagt - „geradegerückt“ habe - er habe ihr gezeigt, was wirklich wichtig ist – und was nicht. Manchen Dingen würde sie schlichtweg nicht mehr so viel Gewicht geben. Und vor allem: Sie selbst habe sich verändert. Nadja berichtet, alle hätten angenommen, dass sie in Indien sicherlich einen Kulturschock erleben würde. Doch der richtige Kulturschock, so berichtet Nadja, sei eigentlich bei ihrer Rückkehr nach Österreich eingetreten. Doch darin liegen auch Chancen: Das Leben an einem anderen Ort kennenzulernen eröffnet neue Blickwinkel auf das Leben in Österreich.

Ein internationaler Freiwilligendienst mit einer Ordensgemeinschaft ist eine Möglichkeit, zu erleben, wie Glaube und der Einsatz für Gerechtigkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Weitere Informationen zu den Internationalen Freiwilligendiensten der Ordensgemeinschaften erhältst du unter ausserordentlich.at


 

Wer sich für den Einsatz für soziale Gerechtigkeit und den Beitrag der Ordensgemeinschaften in Österreich interessiert, ist eingeladen an der Sozial-spirituellen Tagen teilzunehmen, die von Donnerstag., 2. September bis Sonntag, 5. September in Wien stattfinden. Der Schwerpunkt liegt auf dem Thema Wohnugslosigkeit und hier könnt Ihr mit wohnunglosen Menschen und mit Ordenleuten ins Gespräch kommen. Weitere Informationen zu den Sozial-spirituellen Tage sowie Veranstaltungstermine zu den Themen Auslandseinatz und Soziale Gerechtigkeit findet Ihr hier: Veranstaltungen (ausserordentlich.at)

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